Dienstag, 12. April 2016

Die Osterwoche verlief eigentlich nicht großartig anders, als andere Wochen auch. Am Freitag hieß es nur leider sehr früh aufstehen, um gemeinsam die 6 Gerichte fürs Mittagessen vorzubereiten. Üblich ist es in Bolivien für den Freitag 12 Gerichte (wegen der 12 Jünger Jesu) vorzubereiten. Jedoch entschieden wir uns nur eine Auswahl davon zu kochen, da wir es nicht geschafft hätten 12 verschiedene Gerichte an einem Tag zu essen.
Da wir leider die Messe, die um 5 Uhr morgens begonnen hätte, radikal verschlafen hatten, blieb genug Zeit zum Schnippeln, Kochen und Backen.
Sonntag brachten wir ein bisschen deutsches Ostern nach Bolivien und versteckten für die ganze Familie im Haus Osterkörbchen mit selbstgebackenen Plätzchen, die sie dann fleißig gesucht und auch gefunden haben.
An diesem Tag bekamen wir auch Besuch von Emmas Mama und Philipps Familie, also unternahmen wir alles, was in unserem bescheidenen Dörfchen möglich ist: Wir gingen Kuhmilch trinken, Pollo essen, Volleyball spielen und schauten uns das Dorf an.

fleißig am Suchen :D:D

An Tagen wie diesen..

In den Aprilwochen hatten wir fröhlicherweise Glück mit dem Wetter und konnten so jeden einzelnen Tag in vollen Zügen genießen.
Eines schönen Samstagmorgens entschieden Sophie und ich uns also, mit einem Korb voll Leckereien zum Fluss zu spazieren, um dort ein gemütliches Frühstück zu haben.
Sopachuy wird von 2 Flüssen (dem Horcas und dem San Antonio) eingeschlossen und wir deshalb auch oft "Isla del Diablo" ("Insel des Teufels") genannt.
Das schöne daran ist, dass man sobald es warm wird, die Möglichkeit hat, sich in den klaren Flüssen abzukühlen.
Auch mit unseren kleinen Gastgeschwistern gingen wir zum Fluss, um ihnen beizubringen, wie man schwimmt, da es teilweise wirklich Stellen gibt, an denen wir nicht mehr stehen können und man ziemlich gegen die starke Strömung anschwimmen muss. Abends sind wir mit den 2 Kleinen und unserem Gastbaby spazieren gegangen und haben spontan unserer Gastmami, die gerade mit ein paar anderen Profes Volleyball gespielt hat, zugeschaut. Somit hatte sie gleich ihren eigenen Fanclub :D
Am Sonntag nutzten wir die Gelegenheit gleich noch einmal und trafen uns mit Luisa und Lara am Fluss, hörten Musik, gingen baden, lachten und haben mit einem Glas Sekt angestoßen -"ein Hoch auf das was uns vereint, auf diese Zeit!".
& deshalb, an Tagen wie diesen,
.. wünscht man sich Unendlichkeit!

unsere Gastgeschwister <3

Picknick

am Fluss :)

chicas locas :D

 

Dia del padre y dia del mar

Wie üblich hier in Bolivien gibt es für alles und jeden einen Tag. So war zum Beispiel Mitte M;ärz día del padre. Dafür haben wir im Salón de Juegos mit den Kindern Kerzenhalter gebastelt, die sie dann ihren Papas schenken konnten.
Außerdem gab es den Vätern (die Profesoren an der Escuela sind) zu Ehren ein Abendessen in der Grundschule, an dem auch Sophie und ich teilgenommen haben. So saßen wir gemeinsam mit allen Profesoren zusammen auf dem Schulhof, haben Picante Mixto (ein scharfes Gericht mit Putenfleisch und Rindfleisch) gegessen und getanzt. (Ich bin mal gespannt was sich die 3 männlichen Profes für das restliche weibliche Kollegium einfallen lassen für Muttertag, hihi)

Knapp eine Woche später war dann dia del mar. Jedes Jahr wird am 23. März daran erinnert, dass Bolivien im Pazifik-Krieg gegen Chile ihren Meerzugang verloren haben. Im Kindergarten hängt zum Beispiel ein Plakat auf dem ein Boot mit bolivianischer Flagge im Meer abgebildet wurde mit der Überschirft "Holen wir uns unser Meer zurück!"
Also sind sowohl Colegio, als auch Escuela und Kindergarten an diesem Morgen bewaffnet mit Schildern und Plakaten durch Sopachuys Straßen gelaufen und riefen: "Mar para Bolivia!" Ich mittendrin. An den Straßen standen die restlichen Einwohner und jubelten den Kids zu. Ab und an wünschte ich mir ehrlich gesagt, dass sich der Erdboden unter mir auftut und ich fein raus bin aus der Demo :D
Am Ende der marcha sammelten wir uns alle zum formatieren auf der Plaza, sangen gemeinsam die Nationalhymne und schauten uns die Feria an, die auf der Plaza vorbereitet wurde.
Ich finde es nach 8 Monaten, die ich mittlerweile hier bin, immernoch erstaunlich, was hier aus einem einzigen Tag rausgeholt wird.

während der marcha





Pujllay in Tarabuco

Tarabuco ist ein kleines Dorf mit knapp 3000 Einwohnern, das ca. eine Stunde von Sucre entfernt liegt und wo 3 Freiwillige aus unserer Organisation eingesetzt sind.
Am Wochenende vom 18.-20.3. trafen wir uns mit einigen anderen Freiwilligen dort, um gemeinsam das pujllay zu feiern.
Das pujllay ist das größte einheimische Fest in Bolivien, das in Erinnerung an eine erfolgreiche Schlacht gegen das spanische Kolonialheer an jedem dritten Märzsonntag gefeiert wird.
Am Freitag war im Dorf selbst noch nicht viel los, was uns natürlich nicht davon abhielt zu feiern. So spielten wir den ganzen Abend über Ring of Fire, tanzten und lachten bis morgens früh und standen am Samstagmorgen alle total verkatert auf. Am Samstag versuchten wir mit viel Tee und Essen wieder einigermaßen fit zu werden, um dann Abends schließlich auf die eigentliche Feier gehen zu können, die im Coliseo (einer großen Sporthalle) stattfand. Es kamen einige bekannte bolivianische Bands und die Stimmung war unbeschreiblich. Die komplette Nacht war typisch bolivianich und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, dieses Event mit den anderen Freiwilligen teilen zu können.
Sonntag gingen wir gemütlich über den kunterbunten vielfältigen Markt, für den Tarabuco bekannt ist und wie fast immer, kam ich nicht an den Ständen vorbei, ohne mir eine Kleinigkeit zu kaufen. Außerdem haben wir an dem Tag auch Evo Morales, Boliviens Präsidenten, gesehen, der wie viele viele andere in einer der Gruppen mitgetanzt hat und anschließend noch ein, zwei Reden geschwungen hat.
Danach ging es total übermüdet, in einer völlig überfüllten Flota wieder zurück nach Sopachuy. Nur leider war nicht viel mit schlafen, da Sophie und ich uns abwechselnd auf den Schoß genommen haben, damit eine ältere Cholita sich setzen konnte. So ging mal wieder ein aufregendes, witziges Wochenende mit viel Aktion zu ende.



Boliviens Präsident, Evo Morales in Tarabucp

Tanzgruppen








Montag, 11. April 2016


trabajando


...ich arbeite immernoch im Kinder "Alegria" in Sopachuy und wechsel wöchentlich zwischen den 3 Kursen. Beim Morgenapell und auch auf der Straße werde ich von meinen Kids mit einem fröhlichen "Profe Kiiimiii" begrüßt, begleitet von einem fröhlichen Strahlen. Ich will mir noch gar nicht ausmalen, wie der Abschied von den Kleinen im Juli aussehen wird, es wird superschwer die Kids zurückzulassen, da sie ein wichtiger Teil meines Jahres hier sind und ich die Arbeit mit ihnen liebe!
Mit meinen Professoren verstehe ich mich von Tag zu Tag besser und ich genieße es in den Pausen mit ihnen über alles mögliche zu quatschen. Oft erinnern sie mich sogar an meine Freundinnen aus Deutschland, weil wir uns gegenseitig liebgemeinte Beleidigungen oder WItze an den Kopf werfen und deshalb viel lachen.
Meine Rolle als "Assistenz" hat sich deutlich verstärkt und so gibt es immer mehr zu tun für mich. In einem Kurs haben wir zum Beispiel eine Schülerin, die ihren Namen nach einem Jahr immernoch nicht schreiben kann, also nehme ich mir jeden Tag ein wenig Zeit und probiere die verschiedensten Methoden aus, ihr ihren Namen beizubringen und es war ein unglaublich schönes Gefühl nach der Woche in den Kurs zu kommen und zu sehen, dass sie in Großbuchstaben ihren Namen unter ihr Bild geschrieben hat :) Das schöne am Unterrichten mit insgesamt 2 Profesoren ist nämlich, dass man sich für jedes Kind abwechselnd Zeit nehmen kann. Mit dem einen lernt man das Schreiben seines Namens, mit dem anderen bis 10 zählen, mit dem anderen das Alphabet und mit dem nächsten geht man auf Toilette :D
Anfangs war ich ein bisschen besorgt, dass ich nach dem Jahr die Finger voller Blasen vom lauter Stifteanspitzen habe (was leider tatsächlich einmal vorkam), aber dem ist zum Glück gar nicht so! Ich lerne unglaublich viel dazu, gerade was den Umgang mit Kindern angeht und bin dankbar für jeden weiteren Tag, an dem ich kostbare Erfahrungen sammeln darf.

vertieft in ihre Aufgaben

Meine Kids in der Pause ;)





Rituale & Glauben

Pachamama gilt als eine Göttin, die insbesondere in den indigenen Völkern der Anden als die Mutter Erde bezeichnet wird. Die Quechua und Aymara verehren die Pachamama als allmächtige Göttin, die allen Lebewesen das Leben schenkt, sie nährt und schützt.
Da dieser Kult hier in Bolivien mehr als ernst genommen wird, wird der Pachamam Respekt gezollt und Opfer dargebracht.
Die Menschen hier fordern von der Gottheit Schutz und Nahrung und sind deshalb dazu verpflichtet, gemäß dem Wert des Erwünschten, auch etwas zurückzugeben. Von den Menschen verlangt die Gottheit sowohl Achtung, als auch Ehrbietung sowie Speisen und Trank. So geht man beispielsweise nie an einer Stätte der Pachamama vorbei, ohne eine Geste der Verehrung. Man gibt der Gottheit dann Cocoblätter und tritt betend mit dieser in Kontakt.
Wir durften hier in Bolivien (auch in Sopachuy) schon öfters eine solches Ritual miterleben.
So bereiteten wir beispielsweise einen Morgen in der Karnevalszeit eine mesa (Opfertisch), eine Ch'alla (Trankopfer) oder eine vilancha (blutopfer) und betet dann zur Gottheit, um bei ihr Schutz über die Felder und ausreichend Nahrung für die Familie einzufordern.
Wir hatten zum Beispiel eine Opferschlale mit einem Lamafötus und weiteren Dingen, die wir dann schließlich angezündet haben und jeder der an dem Ritual teilnahm, bekam ein Glas Alkohol, dass er auf den Boden schütten musste (deswegen auch Mutter Erde) und danach trinken musste.
Dieses Ritual haben wir auf dem Hof (zum Schutz von Haus und Familie), im Garten (zum Schutz der Nahrung) und am Auto (zum Schutz des Fahrers) wiederholt.
Aber nicht nur an solchen Tagen erlebt man viel von dieser Kulur mit. Eigentlich fast immer, wenn Feierlichkeiten anstehen und man auf eine Schale chicha eingeladen wird, tröpfelt man ein wenig davon auf den Boden für die Pachamama.

Desweiteren glauben sie hier in unserem Dorf tatsächlich, dass sie mit Böllern Hagel vertreiben können und zünden deshalb jedesmal, wenn es auch nur den Anschein macht zu hageln, wahrlos Knaller ab.

Noch was zum Lachen:
Unser Gastopa hat uns ja direkt an unserem 1. Tag in Sopachuy sein Heiligtum gezeigt, nämlich seinen Garten mit jeglichem Gemüse, Obst und Pflanzenbestand. Die Führung hat uns mal mindestens eine halbe Stunde gekostet & nein! der Garten ist nicht soo riesig, wie man jetzt denkt. Naja, wie dem auch sei; eines Tages kam unser Gastopi dann zu uns Mädels und sagte uns, wir sollen doch bitte nicht die Bäume und Pflanzen anfassen, wenn wir unsere Periode haben. Angeblich habe das jemand getan und deshalb ist der Baum (samt Frucht) jetzt verwelgt! Also Mädels, wenn ihr eure Periode habt, Finger weg von den fruchtbaren Dingen. :D:D:D Wir waren danach verstört und komplett am Ende vor Lachen zugleich. Wieder was suuuper lehreiches dazugelernt.
Oder auch unser Gastopa: Unser Mitfreiwilliger hatte mal einen Vormittag lang sein Handy verloren (zumindest glaubten wir das alle). Als er unserem Gastopa davon erzählte, schlug dieser doch tatsächlich vor gemeinsam zum "Coca-Leser" zu gehen, damit dieser dann in den Cocoblättern lesen kann, ob das Portmonnai sich noch im Haus befindet oder geklaut wurde. Was eine Schande, dass Coca in Deutschland illegal ist und wir jetzt immer nach Bolivien fliegen müssen, wenn wir etwas verloren haben.

las 3 chicas blancas

Als wir an unserem 1. Tag durchs Dorf gelaufen sind, fühlten wir uns wie hinter Scheiben in einem Zoo als Hauptatraktion, wir wurden von allen angeschaut. Die einen lächelten uns zwar an und begrüßten uns nett, aber andere schauten uns fragend an und gaben uns das Gefühl nicht gerade willkommen zu sein.
Mittlerweile fühle ich mich aber als ein Teil des Dorfes und es gibt wenig Leute die einen abweisend anschauen und man weiß inzwischen auch von wem ein "chocita" oder "gringita" nett gemeint ist und von wem nicht.
Zu den Männern hier im Dorf kann man eigentlich nur sagen: Es gibt sone und solche. Der eine Teil pfeift uns hinterher und ruft "Hola, Bebé" und der andere (leider kleinere) Teil verhält sich völlig normal.
An den Tiendas (den kleinen Läden hier im Dorf) trifft man auch auf verschiedenste Verhaltensmuster. Zum Beispiel Doña Lisa aus der Tienda gegenüber freut sich jedesmal wenn wir kommen und begrüßt uns mit einem freundlichen "Hola Mamita, como estas", während man in einer anderen Tiendas damit rechnen muss, dass man auf die Frage, ob sie Champignons verkaufen, als Antwort ein freches "Ich versteh' dich nicht" bekommt und die Verkäuferin einfach geht.
Ansonsten hat man seine 5-6 Leute mit denen man auf dem Weg zur Arbeit kurz ein Schwätzchen hält und stößt auch öfters auf Leute, die sich für unseren Freiwilligendienst interessieren und uns deshalb ansprechen und sich mit uns unterhalten.
Ab und an besuchen wir zum Beispiel Doña Lisa, um uns über den aktuellsten Dorftratsch auszutauschen, lassen uns von Doña Nancy beibringen wie man leche de tigre (einen typisch bolivianischen Schnaps aus Milch) macht und trinken mit Doña Norita, ihrem Ehemann und ihrem Bruder eine Tasse Tee.
Ob ich mich immernoch unwohl fühle? Nein. Ich habe mich an das Verhalten der Menschen hier schnell gewöhnt und inzwischen macht es mich eher agressiv, wenn man mir hinterherpfeift, jedoch gibt es immer wieder so liebe Menschen, dass ich darüber hinwegsehen kann.

cholitas in Sopachuy,  mit traditioneller Kleidung

kein Wunder, dass wir auffallen :D


Samstag, 12. März 2016

Carnaval en mi querida isla del diablo

Auch in Bolivien wird Karneval groß gefeiert. Wir hatten eigentlich geplant über die Feiertage nach Oruro zu fahren, aber da unsere Gastmama den Sonntag Geburtstag hatte und die Strecke von Sucre nach Sopachuy sowieso blockiert wurde (dazu später mehr), entschieden wir uns, in unserem Dorf Karneval zu feiern. Am Freitag ging es gleich richtig los: Zwar mussten Sophie und ich um 8 aufstehen, aber das hat sich gelohnt. In der Schule angekommen waren alle Kinder und Professoren mit Wasserspritzpistolen, Wasserbomben und Schaumsprühflaschen bewaffnet, um Karneval gebührend zu feiern. Hier in Bolivien steht nämlich die Wasserschlacht im Vordergrund. Egal wann man wohin laufen will, man muss jederzeit mit Wasserangriffen rechnen. Freitag fiel also, wie nicht selten, die Schule und der Kindergarten aus und stattdessen sind wir mit allen Schülern und Lehrern durchs Dorf gezogen und haben eine riesige Wasserschlacht iniziiert. Ob Kindergartenkind, Grundschüler, Profesor, Direktor, Dorfbewohner oder Freiwillige, niemand blieb verschont!
Nachdem wir alle wieder klatschnass in der Schule angekommen waren, trafen sich die Lehrer, um gemeinsam das Pachamamaritual durchzuführen und zu essen. Beim Eintreten hat jeder erstmal eine Wanne Wasser übergekippt bekommen, wir waren ja schließlich noch nicht nass genug.
Zuhause freuten Sophie und ich uns schon auf eine warme Dusche, die bekamen wir auch, nur leider nicht warm. Unsere 2 Gastgeschwister und unser Mitbewohner empfingen uns wortwörtlich feucht-froh, - Wasserschlacht die 2.
Da unsere Gastmama an diesem Wochenende Geburtstag hatte, kam die ganze Familie und 3 Freiwillige zu Besuch und wir bereiteten ein gemeinsames Mittagessen vor, zu dem auch Freunde eingeladen wurden. Dafür haben wir den ganzen Morgen und Vormittag durchgeschnibbet, gekocht und gebraten, zum Glück wurde das Essen ein voller Erfolg und wir hatten einen schönen Tag zusammen.
Am Abend kam dann der Rest der Familie und zur Begrüßung gab es wieder erstmal eine Wasserschlacht. Diesmal wurde direkt der Gartenschlauch zur Hand genommen, ich mein' "was soll der Geiz?!" :D
Inzwischen wurde es immer schwerer noch trockene Klamotten zu finden, da sogut wie alles unter den unzähligen Wasserschlachten  leiden musste.

Um zu verstehen was Carnaval abging, hier ein paar Bilder:

con mis queridos hermanitos {3


jugando :)


con tierra más :D


:D :D :D

hihi, la pobre mamá :D

Anmerkung zum Bloqueo:
Anfang Februar wurden die Straßen Boliviens von den Lastwagenfahrern blockiert, weil ihre Steuern erhört wurden. So wurde unter anderem auch die Straße zwischen Sucre und Sopachuy blockiert, indem unzählige Lastwagen sich kreuz und quer auf die Straße gestellt haben und nichts und niemanden durchgelassen haben. Leider brachten die Bloqueos einen Versorgungsmangel im Dorf miteinher und so hatten wir knapp eine Woche kein Obst und Gemüse mehr. In Deutschland ist das kaum vorstellbar, da man wenn eine Straße gesperrt ist, Ausweichrouten nutzen kann und trotzdem früher oder später am Ziel ankommt. Hier gibt es leider nur eine einzige Straße nach Sucre und so war der Verkehr komplett stillgelegt!







Update zum Leben in einer Gastfamilie:

Anfangs war es ein bisschen ungewohnt und schwierig mit einer fremden Gastfamilie auf begrenztem Raum zusammenzuleben. Zwar war unsere Gastfamilie, wie bereits erwähnt, von Tag 1 an, sofort nett und hilfsbereit, aber dennoch mussten wir uns erst einmal an die neue Wohnsituation, die anderen Tagesabläufe und Regeln gewöhnen.
In den ersten Monaten versuchte man mit holprigem Spanisch zu kommunizieren und die Standardfrage beim Betreten der Küche war: "Podemos ayudar algo?" Mittlerweile sind wir alle ein eingespieltes Team und so packt jeder an, um das Essen zeitig auf den Tisch zu bekommen. Auch Dinge, wie auf unsere kleine Gastnichte aufpassen, sind inzwischen großer Bestandteil unseres Aufgabenfeldes innerhalb der Familie, was zeigt, dass wir einander vertrauen.
Auch unser Verhältnis zu unserer Gastmama hat sich verändert (im positiven Sinne) und so albern wir jede freie Minute rum und lachen viel. Auch mit unseren Gastgeschwistern, die 7 und 11 Jahre alt sind, haben wir schon die ein oder anderen lustigen Momente erlebt. Einen Abend haben wir zusammen eine pijamada gemacht: Wir haben 3 Matratzen in den Esssaal gelegt und mit Kissen und Decken ausgelegt. Dann haben wir eine riiesige Portion Popcorn vorbereitet und gemeinsam einen Film geschaut. Unser kleiner Gastbruder ist ziemlich bald eingeschlafen und wir Mädels haben uns in den Schlaf gequatscht.
Ab und an helfen wir unserer Gastschwester, Angi, die gerade ins Colegio (Oberstufe) gekommen ist, bei ihren Hausaufgaben oder üben mit unserem Gastbruder, Lenin, das kleine 1x1.
Unsere andere Gastschwester, Carla, die im März 19 wird, studiert momenten in Sucre Pädagogik und ist deshalb nicht so oft bei uns, aber wenn sie uns am Wochenende besuchen kommt (und nicht gerade voll in ihrer Mutterrolle steckt) gehen wir zusammen spazieren oder lernen ein bisschen deutsch mit ihr.
Ansonsten freut man sich immer, wenn die ganze Familie zusammenkommt, um gemeinsam zu feiern! :)


feliz cumpleaños, mamá Mariela :)

mi amor, Lenin :)

mi sobrina linda



Freitag, 12. Februar 2016

Turista? No, Viajera!

Nach einem sehr interessanten und schönen Weihnachtsfest in Sopachuy, ging es am 26. Dezember endlich mit dem Bus über Villazon nach Buenos Aires. Aber klar, es lief mal wieder nicht alles so glatt, wie wir gehofft hatten und so folgte auf eine Fehlentscheidung direkt die andere. Wir entschieden uns dafür die Grenze zwischen Bolivien und Argentinien zu Fuß zu überqueren, um dann im argentinischen Grenzdorf für den (angeblich billigeren) Bus nach Buenos Aires, Tickets zu kaufen. Schlauerweiser war es ein Sonntag und weder Frieder, noch Vera oder ich hatten genug Geld dabei und zu allem Übel hatten alle Geldautomaten entweder kein Geld mehr oder waren geschlossen. Also verbrachten wir 5 Stunden in einem fremden Dorf, legten uns auf die Plaza und schauten uns auf Frieders Handy Fightclub an- ein Hoch auf Bolivien, das uns zu entspannteren Menschen macht, warten ist hier völlig normal. Nach ca. 40 Stunden Busfahrt kamen wir komplett durchgeschwitzt und leicht übermüdet endlich im wunderschönen Buenos Aires an. Glücklicherweise hatten wir wenigstens das richtige Hostel gewählt, das sowohl perfekt gelegen war, als auch für Jugendliche in unserem Alter optimal (Hosteltipp für Buenos Aires: Hostel Fiesta). Da wir Silvester dort verbringen wollten, bestand unser Alltag aus einer Mischung aus Shopping für das perfekte Outfit und Sightseeing, um in den 5 Tagen möglichst viel von Buenos Aires zu sehen.

Hier ein paar Eindrücke:
el cementerio



Silvester verbrachten wir (Anna, Vera, Fynn, Frieder und ich) bis um kurz vor 12 auf der Dachterrasse unseres Hostels, um uns wortwörtlich warm zu machen für den Club, in dem wir den Rest der Nacht und des Morgens tanzen waren.

partypeople <3



Unser nächster Stopp war Córdoba. Hier reichte allerdings ein Tag aus, um mit Hilfe einer Free-Walking-Tour die ganze Stadt zu besichtigen. Die folgenden Tage verbrachten wir deshalb in einem Park zum Picknicken, mit Schlendern durch die Einkaufsstraßen oder mit Dinner auf der Dachterasse. (Falls ihr euch jetzt fragt: Ja, die meisten Hostels in Argentinien haben eine :D)

Córdoba's schönste Seite:



Weiter ging es mit der Flota Richtung Mendoza, wo uns ein Abenteuerurlaub erwartete. Am 1. Tag fuhren wir direkt in den Parque Nacional de Aconcagua, um durch die atemberaubende Landschaft zu wandern. Der Aconcagua ist übrigens der höchste Berg Südamerikas mit fast 7000m Höhe. Bewaffnet mit Backpackern, gefüllt mit Sandwiches, Keksen und Wasser, erkundeten wir die Wiesen und Berge. Das wahrscheinlich coolste war allerdings, dass wir einen Zaun überquert haben, an dem Betreten verboten stand und nach 3 Schritten vor einem Schild standen auf dem stand: "Welchen Teil von nicht betreten, habt ihr nicht verstanden?" Jaja, man rechnet also auch in Argentinien mit uns frechen deutschen Mädchen.



Am nächsten Morgen hieß es für uns: "I believe I can fly." - Paragliding stand auf dem Plan. Nachdem wir von unserem Guide am Hostel abgeholt wurden, mussten wir vor Ort noch 2 Stunden warten, bis sich der Himmel aufgeklart hatte und wir endlich fliegen konnten. Nach der Horrorautofahrt mit dem Pickup hoch zum Flugplatz, war uns klar, dass wir lieber runterfliegen, als wieder runterzufahren und halb abzustürzen. Wir waren alle sooo krass aufgeregt, aber als wir quasi ins Nichts liefen und zeitgleich in die Luft glitten, war es das wahrscheinlichst geilste Gefühl unseres Lebens. Fast eine halbe Stunde waren wir in der Luft und auch die Landung verlief bei uns allen gut. Paragliding kann ich wirklich nur empfehlen, es ist unbeschreiblich!



An unserem letzten Tag entschieden wir uns dazu, eine Weintour zu machen, damit wir endlich mal wissen, was es heißt guten Wein zu trinken. Auch hier ließen wir uns von unserem Hostel eine Tour organisieren und mussten uns somit um nichts kümmern. Zuerst schauten wir uns einen Familienbetrieb an, der traditionell Weine herstellt und kosteten uns durch das Sotiment an Rotweinen durch. Danach ging es in eine Fabrik, die Olivenöle herstellt. Auch hier hatten wir die Ehre die köstichen Olivenöle zu testen. Gut gesättigt machten wir uns auf den Weg zur nächsten Weinfabrik, die etwas moderner war. Einstimmig stellten wir fest, dass uns der Wein aus der 1. Weinerei besser geschmeckt hat und entschlossen uns gleich eine Flasche zu kaufen, die wir schließlich in Santiago gemeinsam genossen haben, denn...

...von Argentinien ging es weiter nach Santiago de Chile, der wunderschönen Hauptstadt Chiles. Hier verfolgte uns allerdings wieder das Pech. Direkt nach unserer Ankunft wurden wir von unserem Taxifahrer dermaßen abgezogen. Wir mussten pro Person(!) für 15 Minuten(!) Taxifahrt 40 Euro(!!) bezahlen. Also kleiner Tipp am Rande: Fragt immer bevor ihr einsteigt, was euch die Fahrt ca. kosten wird und macht euch noch viel früher mit der jeweiligen Währung bekannt, damit ihr euch nicht so über den Tisch ziehen lasst, wie wir.
Naja, nach einigen Tränen aus Verzweiflung und Wut, gingen wir los, um die Stadt zu erkunden. Unser erstes Ziel war dabei, der Berg von Sant Christobal, von wo aus man einen atemberaubenden Blick über ganz Santiago hat.

Seht selbst!



Ansonsten haben wir uns noch weitere schöne Ecken angeschaut, die vielfältige Küche genossen und das Nachtleben Santiagos auf die Probe gestellt.




Da Chile am Meer liegt, entschieden wir uns spontan dafür, einen Tagestrip nach Vina del Mar zu machen, um dort einen entspannten Strandtag zu verbringen. Baden war leider nicht wirklich drin, da die Wellen Höhen von 5m erreichten und man sofort von der Strömung ins Wasser gezogen wurde, wenn man einen Schritt gewagt hat.
Auch hier schlug das Pech erneut zu: Vera hatte als Einzige ihr Handy mitgenommen, um den wunderschönen Tag fotografisch festzuhalten. Leider sind wir alle 3 für 5min eingenickt und wurden dann von panischen Mädels geweckt, die uns berichteten, dass wir gerade beklaut wurden. Vera und Anna rannten dem Dieb direkt hinterher, doch leider ist er ihnen entwischt. Ich packte in der Zeit unsere 7 Sachen zusammen und ging dann mit Anna ins Krankenhaus, wo Vera völlig verzweifelt auf uns wartete, da sie während der Verfolgungsjadt feststellen musste, dass auch ihr Reisepass mit Visum in der Tasche war. Die Polizeit hatten wir bereits verständigt und nach ca. einer halben Stunde kamen 2 Polizeibeamte und hielten Veras Tasche in der Hand. Erleichterung pur, als wir die Tasche öffneten und sich sowohl Geld, als auch Handy und Reisepass noch darin befanden.
Langweilig wird es bei uns wirklich nie!
 

Hier endete auch schon mein 1. Teil des Urlaubs, da ich mich jetzt von Vera und Anna verabschiedete, um mich mit Daniel (einem anderen Freiwilligen) wieder in Buenos Aires zu treffen. Und nein, es war nicht langweilig, weil ich schon mal da war. Buenos Aires & Umgebung hat so unglaublich viel zu bieten. So sind wir zum Beispiel an einem Tag nach Tigre gefahren, was an einem Fluss gelegen ist und somit perfekt zum Entspannen.
Buenos Aires diente mehr oder weniger als Zwischenstopp, um von dort mit dem Flieger nach Iguacu zu gelangen. Hier ging zur Abwechslung mal wieder das ein oder andere schief: Wir sind in Argentinien gelandet, dann mit dem Bus nach Brasilien (Foz do Iguazu) gefahren und wollten uns dort vom Busbahnhof ein Taxi ins Hostel nehmen, von dem wir nur den Namen kannten, jedoch keine Adresse. Unser Taxifahrer war der Meinung er weiß, wo wir hinwollen und so fuhren wir 1 Stunde im Nichts rum, bis wir endlich unser Hostel und somit das Paradies erreich hatten. Dort trafen wir uns mit Fynn und Caro, um an den nächsten 2 Tagen die Iguazu-Wasserfälle zu besichtigen. Zuerst nahmen wir uns die argentinische Seite vor. Man kann nicht in Worte fassen, wie vielfältig und schön der Nationalpark ist.
Deshalb spreche ich hier mit Bildern (mehr Bilder lade ich später hoch, wenn ich mein Kamerakabel gefunden habe :D):




Auch die brasilianische Seite, die wir am nächsten Tag besuchten, war einfach atemberaubend. Es ist unglaublich wie schön so gefährliche Wassermassen sein können und noch viel irrationaler, dass man nur so wenige Meter von den Wasserfällen entfernt stehen kann, dass man komplett nass wird.







Von Iguazu ging es mit dem Taxi nach Ciudad del Este, von wo wir mit der Flota nach Paraguay gefahren sind, wo wir in Asuncion ein Hostel gebucht hatten.
Asunción ist zwar relativ groß, aber es gab trotzdem nicht allzu viel zu sehen, so dass wir es einfach genossen haben, mal Zeit zu haben chinesisch und italienisch Essen zu gehen und den Pool in unserem Hostel genutzt haben.

Zum Abschluss gab es nochmal ein Drama:
Daniel, Caro und ich hatten unseren Flug von Asuncion nach Santa Cruz (Bolivien) für morgens gebucht, weshalb wir um 5 Uhr morgens aufgestanden sind. Am Flughafen angekommen traf uns der Schlag, als man uns auf Anfrage erzählte, dass unser Flug gecancelt wurde und wir jetzt 10 Stunden auf den nächsten Flug warten müssten, was eine Unverschämtheit war, da uns niemand darüber informiert hat und wir eigentlich geplant hatten noch am selben Nachmittag von Santa Cruz den Flieger nach Sucre zu nehmen. Naja, es war nicht zu ändern, und die 10 Stunden gingen im Endeffekt, Dank gutem Internet und annehmbaren Essen, schneller rum, als gedacht. Da wir so aber erst Abends in Santa Cruz ankamen und erst noch mit den Mitarbeitern unserer Fluggesellschaft diskutieren mussten, gab es keinen Anschlussflug mehr nach Sucre und so waren wir gezwungen noch vom Flughafen ins Stadtzentrum zu fahren, um dort eine Nacht im Hostel zu verbringen. Wenigstens hatte die Gesellschaft uns 140 Bolis bar in die Hand gedrückt, um den Transport vom und zum Flughafen zahlen zu können. Am nächsten Morgen ging unser Flug um 10 Uhr. Als wir endlich in Sucre angekommen waren, freuten wir uns auf das Hostel, die Freiwilligen und sogar auf das Seminar, das anstand.

Si algo bueno te pasa, viaja para celebrar.
Si algo malo te pasa, viaja para olvidar.
Y si nada te pasa, viaja para que algo te pase. 


Kein Geld der Welt kann bezahlen, was ich in diesem Monat Reisen erleben durfte. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar und unvergesslich zugleich.
Ich habe viele neue Kulturen, Personen und Orte kennengelernt und habe unglaublich viel dazugelernt. Ich sehe die Welt mit ganz anderen Augen und ich bin so dankbar für die Möglichkeit das alles erlebt zu haben.




Kimi :)