Samstag, 12. März 2016

Carnaval en mi querida isla del diablo

Auch in Bolivien wird Karneval groß gefeiert. Wir hatten eigentlich geplant über die Feiertage nach Oruro zu fahren, aber da unsere Gastmama den Sonntag Geburtstag hatte und die Strecke von Sucre nach Sopachuy sowieso blockiert wurde (dazu später mehr), entschieden wir uns, in unserem Dorf Karneval zu feiern. Am Freitag ging es gleich richtig los: Zwar mussten Sophie und ich um 8 aufstehen, aber das hat sich gelohnt. In der Schule angekommen waren alle Kinder und Professoren mit Wasserspritzpistolen, Wasserbomben und Schaumsprühflaschen bewaffnet, um Karneval gebührend zu feiern. Hier in Bolivien steht nämlich die Wasserschlacht im Vordergrund. Egal wann man wohin laufen will, man muss jederzeit mit Wasserangriffen rechnen. Freitag fiel also, wie nicht selten, die Schule und der Kindergarten aus und stattdessen sind wir mit allen Schülern und Lehrern durchs Dorf gezogen und haben eine riesige Wasserschlacht iniziiert. Ob Kindergartenkind, Grundschüler, Profesor, Direktor, Dorfbewohner oder Freiwillige, niemand blieb verschont!
Nachdem wir alle wieder klatschnass in der Schule angekommen waren, trafen sich die Lehrer, um gemeinsam das Pachamamaritual durchzuführen und zu essen. Beim Eintreten hat jeder erstmal eine Wanne Wasser übergekippt bekommen, wir waren ja schließlich noch nicht nass genug.
Zuhause freuten Sophie und ich uns schon auf eine warme Dusche, die bekamen wir auch, nur leider nicht warm. Unsere 2 Gastgeschwister und unser Mitbewohner empfingen uns wortwörtlich feucht-froh, - Wasserschlacht die 2.
Da unsere Gastmama an diesem Wochenende Geburtstag hatte, kam die ganze Familie und 3 Freiwillige zu Besuch und wir bereiteten ein gemeinsames Mittagessen vor, zu dem auch Freunde eingeladen wurden. Dafür haben wir den ganzen Morgen und Vormittag durchgeschnibbet, gekocht und gebraten, zum Glück wurde das Essen ein voller Erfolg und wir hatten einen schönen Tag zusammen.
Am Abend kam dann der Rest der Familie und zur Begrüßung gab es wieder erstmal eine Wasserschlacht. Diesmal wurde direkt der Gartenschlauch zur Hand genommen, ich mein' "was soll der Geiz?!" :D
Inzwischen wurde es immer schwerer noch trockene Klamotten zu finden, da sogut wie alles unter den unzähligen Wasserschlachten  leiden musste.

Um zu verstehen was Carnaval abging, hier ein paar Bilder:

con mis queridos hermanitos {3


jugando :)


con tierra más :D


:D :D :D

hihi, la pobre mamá :D

Anmerkung zum Bloqueo:
Anfang Februar wurden die Straßen Boliviens von den Lastwagenfahrern blockiert, weil ihre Steuern erhört wurden. So wurde unter anderem auch die Straße zwischen Sucre und Sopachuy blockiert, indem unzählige Lastwagen sich kreuz und quer auf die Straße gestellt haben und nichts und niemanden durchgelassen haben. Leider brachten die Bloqueos einen Versorgungsmangel im Dorf miteinher und so hatten wir knapp eine Woche kein Obst und Gemüse mehr. In Deutschland ist das kaum vorstellbar, da man wenn eine Straße gesperrt ist, Ausweichrouten nutzen kann und trotzdem früher oder später am Ziel ankommt. Hier gibt es leider nur eine einzige Straße nach Sucre und so war der Verkehr komplett stillgelegt!







Update zum Leben in einer Gastfamilie:

Anfangs war es ein bisschen ungewohnt und schwierig mit einer fremden Gastfamilie auf begrenztem Raum zusammenzuleben. Zwar war unsere Gastfamilie, wie bereits erwähnt, von Tag 1 an, sofort nett und hilfsbereit, aber dennoch mussten wir uns erst einmal an die neue Wohnsituation, die anderen Tagesabläufe und Regeln gewöhnen.
In den ersten Monaten versuchte man mit holprigem Spanisch zu kommunizieren und die Standardfrage beim Betreten der Küche war: "Podemos ayudar algo?" Mittlerweile sind wir alle ein eingespieltes Team und so packt jeder an, um das Essen zeitig auf den Tisch zu bekommen. Auch Dinge, wie auf unsere kleine Gastnichte aufpassen, sind inzwischen großer Bestandteil unseres Aufgabenfeldes innerhalb der Familie, was zeigt, dass wir einander vertrauen.
Auch unser Verhältnis zu unserer Gastmama hat sich verändert (im positiven Sinne) und so albern wir jede freie Minute rum und lachen viel. Auch mit unseren Gastgeschwistern, die 7 und 11 Jahre alt sind, haben wir schon die ein oder anderen lustigen Momente erlebt. Einen Abend haben wir zusammen eine pijamada gemacht: Wir haben 3 Matratzen in den Esssaal gelegt und mit Kissen und Decken ausgelegt. Dann haben wir eine riiesige Portion Popcorn vorbereitet und gemeinsam einen Film geschaut. Unser kleiner Gastbruder ist ziemlich bald eingeschlafen und wir Mädels haben uns in den Schlaf gequatscht.
Ab und an helfen wir unserer Gastschwester, Angi, die gerade ins Colegio (Oberstufe) gekommen ist, bei ihren Hausaufgaben oder üben mit unserem Gastbruder, Lenin, das kleine 1x1.
Unsere andere Gastschwester, Carla, die im März 19 wird, studiert momenten in Sucre Pädagogik und ist deshalb nicht so oft bei uns, aber wenn sie uns am Wochenende besuchen kommt (und nicht gerade voll in ihrer Mutterrolle steckt) gehen wir zusammen spazieren oder lernen ein bisschen deutsch mit ihr.
Ansonsten freut man sich immer, wenn die ganze Familie zusammenkommt, um gemeinsam zu feiern! :)


feliz cumpleaños, mamá Mariela :)

mi amor, Lenin :)

mi sobrina linda



Freitag, 12. Februar 2016

Turista? No, Viajera!

Nach einem sehr interessanten und schönen Weihnachtsfest in Sopachuy, ging es am 26. Dezember endlich mit dem Bus über Villazon nach Buenos Aires. Aber klar, es lief mal wieder nicht alles so glatt, wie wir gehofft hatten und so folgte auf eine Fehlentscheidung direkt die andere. Wir entschieden uns dafür die Grenze zwischen Bolivien und Argentinien zu Fuß zu überqueren, um dann im argentinischen Grenzdorf für den (angeblich billigeren) Bus nach Buenos Aires, Tickets zu kaufen. Schlauerweiser war es ein Sonntag und weder Frieder, noch Vera oder ich hatten genug Geld dabei und zu allem Übel hatten alle Geldautomaten entweder kein Geld mehr oder waren geschlossen. Also verbrachten wir 5 Stunden in einem fremden Dorf, legten uns auf die Plaza und schauten uns auf Frieders Handy Fightclub an- ein Hoch auf Bolivien, das uns zu entspannteren Menschen macht, warten ist hier völlig normal. Nach ca. 40 Stunden Busfahrt kamen wir komplett durchgeschwitzt und leicht übermüdet endlich im wunderschönen Buenos Aires an. Glücklicherweise hatten wir wenigstens das richtige Hostel gewählt, das sowohl perfekt gelegen war, als auch für Jugendliche in unserem Alter optimal (Hosteltipp für Buenos Aires: Hostel Fiesta). Da wir Silvester dort verbringen wollten, bestand unser Alltag aus einer Mischung aus Shopping für das perfekte Outfit und Sightseeing, um in den 5 Tagen möglichst viel von Buenos Aires zu sehen.

Hier ein paar Eindrücke:
el cementerio



Silvester verbrachten wir (Anna, Vera, Fynn, Frieder und ich) bis um kurz vor 12 auf der Dachterrasse unseres Hostels, um uns wortwörtlich warm zu machen für den Club, in dem wir den Rest der Nacht und des Morgens tanzen waren.

partypeople <3



Unser nächster Stopp war Córdoba. Hier reichte allerdings ein Tag aus, um mit Hilfe einer Free-Walking-Tour die ganze Stadt zu besichtigen. Die folgenden Tage verbrachten wir deshalb in einem Park zum Picknicken, mit Schlendern durch die Einkaufsstraßen oder mit Dinner auf der Dachterasse. (Falls ihr euch jetzt fragt: Ja, die meisten Hostels in Argentinien haben eine :D)

Córdoba's schönste Seite:



Weiter ging es mit der Flota Richtung Mendoza, wo uns ein Abenteuerurlaub erwartete. Am 1. Tag fuhren wir direkt in den Parque Nacional de Aconcagua, um durch die atemberaubende Landschaft zu wandern. Der Aconcagua ist übrigens der höchste Berg Südamerikas mit fast 7000m Höhe. Bewaffnet mit Backpackern, gefüllt mit Sandwiches, Keksen und Wasser, erkundeten wir die Wiesen und Berge. Das wahrscheinlich coolste war allerdings, dass wir einen Zaun überquert haben, an dem Betreten verboten stand und nach 3 Schritten vor einem Schild standen auf dem stand: "Welchen Teil von nicht betreten, habt ihr nicht verstanden?" Jaja, man rechnet also auch in Argentinien mit uns frechen deutschen Mädchen.



Am nächsten Morgen hieß es für uns: "I believe I can fly." - Paragliding stand auf dem Plan. Nachdem wir von unserem Guide am Hostel abgeholt wurden, mussten wir vor Ort noch 2 Stunden warten, bis sich der Himmel aufgeklart hatte und wir endlich fliegen konnten. Nach der Horrorautofahrt mit dem Pickup hoch zum Flugplatz, war uns klar, dass wir lieber runterfliegen, als wieder runterzufahren und halb abzustürzen. Wir waren alle sooo krass aufgeregt, aber als wir quasi ins Nichts liefen und zeitgleich in die Luft glitten, war es das wahrscheinlichst geilste Gefühl unseres Lebens. Fast eine halbe Stunde waren wir in der Luft und auch die Landung verlief bei uns allen gut. Paragliding kann ich wirklich nur empfehlen, es ist unbeschreiblich!



An unserem letzten Tag entschieden wir uns dazu, eine Weintour zu machen, damit wir endlich mal wissen, was es heißt guten Wein zu trinken. Auch hier ließen wir uns von unserem Hostel eine Tour organisieren und mussten uns somit um nichts kümmern. Zuerst schauten wir uns einen Familienbetrieb an, der traditionell Weine herstellt und kosteten uns durch das Sotiment an Rotweinen durch. Danach ging es in eine Fabrik, die Olivenöle herstellt. Auch hier hatten wir die Ehre die köstichen Olivenöle zu testen. Gut gesättigt machten wir uns auf den Weg zur nächsten Weinfabrik, die etwas moderner war. Einstimmig stellten wir fest, dass uns der Wein aus der 1. Weinerei besser geschmeckt hat und entschlossen uns gleich eine Flasche zu kaufen, die wir schließlich in Santiago gemeinsam genossen haben, denn...

...von Argentinien ging es weiter nach Santiago de Chile, der wunderschönen Hauptstadt Chiles. Hier verfolgte uns allerdings wieder das Pech. Direkt nach unserer Ankunft wurden wir von unserem Taxifahrer dermaßen abgezogen. Wir mussten pro Person(!) für 15 Minuten(!) Taxifahrt 40 Euro(!!) bezahlen. Also kleiner Tipp am Rande: Fragt immer bevor ihr einsteigt, was euch die Fahrt ca. kosten wird und macht euch noch viel früher mit der jeweiligen Währung bekannt, damit ihr euch nicht so über den Tisch ziehen lasst, wie wir.
Naja, nach einigen Tränen aus Verzweiflung und Wut, gingen wir los, um die Stadt zu erkunden. Unser erstes Ziel war dabei, der Berg von Sant Christobal, von wo aus man einen atemberaubenden Blick über ganz Santiago hat.

Seht selbst!



Ansonsten haben wir uns noch weitere schöne Ecken angeschaut, die vielfältige Küche genossen und das Nachtleben Santiagos auf die Probe gestellt.




Da Chile am Meer liegt, entschieden wir uns spontan dafür, einen Tagestrip nach Vina del Mar zu machen, um dort einen entspannten Strandtag zu verbringen. Baden war leider nicht wirklich drin, da die Wellen Höhen von 5m erreichten und man sofort von der Strömung ins Wasser gezogen wurde, wenn man einen Schritt gewagt hat.
Auch hier schlug das Pech erneut zu: Vera hatte als Einzige ihr Handy mitgenommen, um den wunderschönen Tag fotografisch festzuhalten. Leider sind wir alle 3 für 5min eingenickt und wurden dann von panischen Mädels geweckt, die uns berichteten, dass wir gerade beklaut wurden. Vera und Anna rannten dem Dieb direkt hinterher, doch leider ist er ihnen entwischt. Ich packte in der Zeit unsere 7 Sachen zusammen und ging dann mit Anna ins Krankenhaus, wo Vera völlig verzweifelt auf uns wartete, da sie während der Verfolgungsjadt feststellen musste, dass auch ihr Reisepass mit Visum in der Tasche war. Die Polizeit hatten wir bereits verständigt und nach ca. einer halben Stunde kamen 2 Polizeibeamte und hielten Veras Tasche in der Hand. Erleichterung pur, als wir die Tasche öffneten und sich sowohl Geld, als auch Handy und Reisepass noch darin befanden.
Langweilig wird es bei uns wirklich nie!
 

Hier endete auch schon mein 1. Teil des Urlaubs, da ich mich jetzt von Vera und Anna verabschiedete, um mich mit Daniel (einem anderen Freiwilligen) wieder in Buenos Aires zu treffen. Und nein, es war nicht langweilig, weil ich schon mal da war. Buenos Aires & Umgebung hat so unglaublich viel zu bieten. So sind wir zum Beispiel an einem Tag nach Tigre gefahren, was an einem Fluss gelegen ist und somit perfekt zum Entspannen.
Buenos Aires diente mehr oder weniger als Zwischenstopp, um von dort mit dem Flieger nach Iguacu zu gelangen. Hier ging zur Abwechslung mal wieder das ein oder andere schief: Wir sind in Argentinien gelandet, dann mit dem Bus nach Brasilien (Foz do Iguazu) gefahren und wollten uns dort vom Busbahnhof ein Taxi ins Hostel nehmen, von dem wir nur den Namen kannten, jedoch keine Adresse. Unser Taxifahrer war der Meinung er weiß, wo wir hinwollen und so fuhren wir 1 Stunde im Nichts rum, bis wir endlich unser Hostel und somit das Paradies erreich hatten. Dort trafen wir uns mit Fynn und Caro, um an den nächsten 2 Tagen die Iguazu-Wasserfälle zu besichtigen. Zuerst nahmen wir uns die argentinische Seite vor. Man kann nicht in Worte fassen, wie vielfältig und schön der Nationalpark ist.
Deshalb spreche ich hier mit Bildern (mehr Bilder lade ich später hoch, wenn ich mein Kamerakabel gefunden habe :D):




Auch die brasilianische Seite, die wir am nächsten Tag besuchten, war einfach atemberaubend. Es ist unglaublich wie schön so gefährliche Wassermassen sein können und noch viel irrationaler, dass man nur so wenige Meter von den Wasserfällen entfernt stehen kann, dass man komplett nass wird.







Von Iguazu ging es mit dem Taxi nach Ciudad del Este, von wo wir mit der Flota nach Paraguay gefahren sind, wo wir in Asuncion ein Hostel gebucht hatten.
Asunción ist zwar relativ groß, aber es gab trotzdem nicht allzu viel zu sehen, so dass wir es einfach genossen haben, mal Zeit zu haben chinesisch und italienisch Essen zu gehen und den Pool in unserem Hostel genutzt haben.

Zum Abschluss gab es nochmal ein Drama:
Daniel, Caro und ich hatten unseren Flug von Asuncion nach Santa Cruz (Bolivien) für morgens gebucht, weshalb wir um 5 Uhr morgens aufgestanden sind. Am Flughafen angekommen traf uns der Schlag, als man uns auf Anfrage erzählte, dass unser Flug gecancelt wurde und wir jetzt 10 Stunden auf den nächsten Flug warten müssten, was eine Unverschämtheit war, da uns niemand darüber informiert hat und wir eigentlich geplant hatten noch am selben Nachmittag von Santa Cruz den Flieger nach Sucre zu nehmen. Naja, es war nicht zu ändern, und die 10 Stunden gingen im Endeffekt, Dank gutem Internet und annehmbaren Essen, schneller rum, als gedacht. Da wir so aber erst Abends in Santa Cruz ankamen und erst noch mit den Mitarbeitern unserer Fluggesellschaft diskutieren mussten, gab es keinen Anschlussflug mehr nach Sucre und so waren wir gezwungen noch vom Flughafen ins Stadtzentrum zu fahren, um dort eine Nacht im Hostel zu verbringen. Wenigstens hatte die Gesellschaft uns 140 Bolis bar in die Hand gedrückt, um den Transport vom und zum Flughafen zahlen zu können. Am nächsten Morgen ging unser Flug um 10 Uhr. Als wir endlich in Sucre angekommen waren, freuten wir uns auf das Hostel, die Freiwilligen und sogar auf das Seminar, das anstand.

Si algo bueno te pasa, viaja para celebrar.
Si algo malo te pasa, viaja para olvidar.
Y si nada te pasa, viaja para que algo te pase. 


Kein Geld der Welt kann bezahlen, was ich in diesem Monat Reisen erleben durfte. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar und unvergesslich zugleich.
Ich habe viele neue Kulturen, Personen und Orte kennengelernt und habe unglaublich viel dazugelernt. Ich sehe die Welt mit ganz anderen Augen und ich bin so dankbar für die Möglichkeit das alles erlebt zu haben.




Kimi :)









Samstag, 26. Dezember 2015

Navidad al otro lado de mundo

"I'm dreaming of a white christmas", dieser Song trifft es eigentlich ins Schwarze, denn hier drüben in Bolivien ist (genauso wenig wie in Deutschland dieses Jahr) nichts mit weißer Weihnacht.
Als wir am 24. morgens wach geworden sind, war es für uns alle ein komisches Gefühl nicht bei unseren Familien in Deutschland zu sein und dementsprechend war tagsüber auch unsere Stimmung. Gerade an Tagen wie Weihnachten ist das Heimweh ziemlich stark und beim Telefonieren nach Hause musste man wirklich mit den Tränen kämpfen.
Um die Zeit bis zum Abend möglichst schnell rumzukriegen, haben wir Vanillekipferl gebacken und dabei Weihnachtslieder gehört und nebenbei unsere Gastfamilie beim Schmücken des Baumes unterstützt. (Das Resultat lade ich selbstverständlich hoch :b )
Über Weihnachten ist in unserem Dorf die Hölle los und so kommt nochmal das Doppelte auf 2000 Einwohner drauf und in den Straßen wimmelt es nur so vor Menschen.
Um 10 Uhr Abends sind wir gemeinsam in die Messe gegangen und danach dann wieder nach Hause, um mit der ganzen Familie Picana zu essen. Picana ist ein traditionelles Gericht zu Weihnachten, bestehend aus einer würzigen Suppe aus Rotwein, vielen Gemüsesorten, Kartoffeln und Fleisch, wirklich super lecker!!
Im Anschluss daran, hat der kleine Papa Noel, Lenin, die Geschenke verteilt. Die Atmosphäre war sehr entspannt und familiär und alle bemühten sich uns zu integrieren.
Nachdem alle ihre Geschenke bewundert hatten, ging es zum feierlichen Teil des Abends über und es wurde getrunkt und Musik gehört.
Dennoch war es für uns Freiwilligen nicht gerade einfach, da wir das 1. Mal Weihnachten ohne unsere Familien gefeiert haben und unserer Gastmama ist das natürlich nicht entgangen, so dass sie entschied, dass wir erst schlafen gehen dürfen, wenn die Flasche Schnaps leer ist. Nichts leichter als das! :D
So wurde Heiligabend zwar komplett anders als man es von Zuhause kennt, aber dennoch ein voller Erfolg. Wir haben bis morgens früh um 5 getanzt und gelacht.
Am nächsten Morgen kamen dann Tanzgruppen aus dem Dorf zu uns, um zu tanzen. Lebhafter werde ich Weihnachten wahrscheinlich nie mehr erleben.
Auch wenn ich Anfangs wirklich skeptisch war, kann ich im Nachhinein nur sagen: Es war eine unglaublich schöne Erfahrung und unsere Gastfamilie hat da wesentich zu beigetragen, Gracias a ustedes! <3

Feliz navidad,
Kimi

'familia, donde la vida comienza y el amor nunca termina'

Árbol de Navidad
Papa Noel, Lenin


 
Gracias Mamá, Mariela!


Salar de Uyuni - Tour

Am 12. Dezember ging sie los, unsere 1. Tour in Bolivien. Nachdem wir (wie zu erwarten war) fast eine Stunde auf unser Taxi gewartet hatten, ging es dann endlich Richtung Potosí.
Ca. eine halbe Stunde vor Ankunft gönnten wir uns erst einmal eine Tablette, die uns vor der Höhenkrankheit schützen sollte, denn Potosí liegt auf ca. 4000m Höhe.
Noch am selben Tag besichtigten wir das Casa de Moneda, wo wir mit Erstaunen feststellen durften, dass wir unsere Fühung lieber auf Spanisch als auf Englisch gehabt hätten, da es uns ernsthaft schwer fiel dem Englisch unserer Führerin zu folgen. Neben dem Herstellvorgang der Münzen wurden uns auch die Geschichte Potosís und unzählige Gemälde vorgestellt.
Am nächsten Morgen wurden wir mit einem Bus direkt vor unserem (übrigens super gutem) Hotel abgeholt, um gemeinsam mit unserem Guide zur Miene zu fahren.
Vorher haben wir allerdings noch einen Zwischenstopp in einem alten Gebäude eingelegt, wo wir uns "bergfest" gemacht haben, sprich uns in rote Schutzkleidung geworfen haben, unseren Helm aufgesetzt haben, unsere Gummistiefel angezogen haben und unsere Lichter befestigt haben. Unser Guide war ein total verrückter, netter Kerl, der uns nach einer ausgiebigen Fotosession (siehe Bilder) erklärt hat, wie das Leben eines Mineros aussieht. Dann hieß es auch schon "Glück auf" und wir standen unmittelbar vor dem Eingang in die dunkle Miene, in welcher wir eine knappe halbe Stunde durch die engen Gänge gekrabbelt sind und gespannt zugehört haben, was unser Guide uns über seine Arbeit und die einzelnen Steine unter der Erde erklärt hat. In Deutschland wäre es wahrscheinlich nicht erlaubt in eine derartige Miene zu steigen, da es schon ab und an mal vorkam, dass rechts von einem ein metertiefes Loch auftauchte und über einem ein morscher Holzstock die obenliegenden Steinbrocken halten sollte, weshalb wir alle auch ein wenig froh waren, als wir wieder Tageslicht erblickten.
Am Abend ging es dann mit der Flota durch die wunderschöne Landschaft des Altiplanos nach Uyuni, wo die eigentliche Salzsee-Tour begann. Nach einer Nacht in einem Hostel ohne viel Wasser, waren wir gespannt, was uns auf dem Salar de Uyuni erwarten würde und so setzten wir uns aufgeregt und leider NICHT frisch geduscht in den 7 Personen-Jeep und machten uns erst einmal auf den Weg zum Cementerio de trenes (dem Friedhof der Züge).
Danach ging das Abenteuer los, raus auf den See aus Salz. Eine mehr als 10.000km² große Fläche aus purem Salz erstreckte sich vor uns und die unendlichen Weiten faszinierten uns sehr.
Völlig ermüdet von den Fotoshootings, stärkten wir uns dann in einem ehemaligen Hostel direkt auf dem See. Unser Guide hatte uns Gemüse, Obst, Fleisch, Kartoffeln und Getränke aufgetischt und wir genossen gemeinsam das leckere Essen.
Unser 2. Stopp war dann die Isla Inca Huasi (eine Kakteeninsel, ebenfalls mitten auf dem Salar). Huasi ist übrigens Quechua uns heißt Haus, also war diese Insel das Haus der Inka. Knappe 2 Stunden besichtigten wir die Insel und versuchten uns dabei möglichst oft im Schatten aufzuhalten, da es wirklich unerträglich heiß war und die Sonne eine unglaubliche Kraft hatte. Nur gut, dass wir alle Mützen und Schals dabei hatten, weil uns vorher alle gewarnt hatten, wiie kalt es doch in Uyuni sei, so konnten wir uns wenigstens damit vor der Sonne schützen :D
Der Tag endete in einem Salzhostel in einem kleinen Dorf nahe des Salars, wo uns Tee und Abendessen serviert wurden und wir nochmal an der Gemeinschaftssteckdose alle Akkus aufgeladen haben, bevor es am nächsten Morgen (wieder mal ungeduscht, da Wasser dort Mangelware ist) nach einem schnellen Frühstück weiter ging.
Der 2. Tag der Tour beinhaltete die Besichtigung diverser Lagunen, unter anderen die der Laguna colorada. Die Laguna colorada ist eine Lagune mit rosagefärbtem Wasser, welches seine Farbe den Pflanzen zu verdanken hat.
Ziemlich cool waren die Flamingos, die man in allen Lagunen sehen konnte, waschecht und hautnah!
Die Laguna colorada befindet sich in einem Nationalpark, für den wir 150 Bolivianos Eintritt zahlen mussten, wobei sich das Geld gelohnt hat, da wir den ganzen Tag in diesem verbracht haben.
Weiter ging es durch die Wüste zum Árbol de piedras, wo es so windig war, dass eine Freiwillige erst einmal ihrem Strohhut hinterherrennen musste und wir uns entschieden noch vor dem Minitornado wieder den Jeep aufzusuchen. Árbol de piedras (=Baum aus Steinen) übrigens deshalb, weil der Stein geformt ist, wie ein Baum...Überraschung :D
An diesem Tag hatten wir viele Kilometer hinter uns gebracht, sodass wir nach etlichen Stunden Fahrt nicht mehr weit von Chile entfernt waren und haben dann einen aktiven Vulkan betrachtet, der zur einen Hälfte in Chile und zur anderen in Bolivien steht.
Leider taten Vera und mir alle Knochen weh, da wir als die 2 Kleinsten hinten sitzen mussten und das Auto auf den provisorischen Wegen durch Steinwüste und Büsche gefühlt keine Federung besaß.
Im Hostel angekommen war alles was wir brauchten: eine Dusche, Strom und Essen. Jetzt zuerst die gute oder die schlechte Nachricht? Ok, also die schlechte Nachricht war: Es gab nur Strom von 8-halb 10 und Duschen war relativ teuer, dafür dass es nur kaltes Wasser gab. Die gute Nachricht war, dass wir nach einer Tasse Tee und Keksen zum Abendessen Spaghetti und Rotwein bekommen haben (das nenn' ich ausgleichende Gerechtigkeit).
Die Nacht war allerdings sehr kurz und so hieß es um 4 Uhr schon wieder "raus aus den Federn und ohne zu zetern". Wir frühstückten schnell unsere Pancakes, schnürten die Backpacker aufs Autodach und fuhren in den Sonnenaufgang.
Zum ersten Mal wussten wir, wofür wir Winterjacke, Handschuhe, Schal und Mütze mitgeschleppt hatten, denn draußen waren gerade mal 0°C.
Dieses mal ging es zuerst zu den Geysiren, die mitten im Nichts auftauchten. Bevor wir rausstürmten um Bilder zu machen, warnte uns unser Guide vor den Gefahren des 80°C heißen Wassers. Es war total faszinierend, wie dicht der Dampf aus dem Boden emporstieg.
Halb erfroren machten wir uns schließlich auf den Weg zu den aguas termales, wo wir, wenn wir Schwimmsachen dabei gehabt hätten, in einem warmen Becken hätten baden können. Wir entschieden uns allerdings gegen warmes Wasser und für Mittagessen, was wie immer sehr vielfältig war.
Bevor wir den Heimweg antraten, ging es noch schnell zur Laguna verde, die sich leider noch nicht grün gefärbt hatte. Es heißt, dass sich die Farbe der Lagune duch den Wind grün färbt. Da wir ziemlich schnell beim Besichtigen waren, hatten wir zu viel Zeit für die Fahrt nach Uyuni und machten deshalb noch in einer Art Canyon Halt, wo wir die Möglichkeit hatten Lamas hautnah zu sehen und ein paar ruhige Minuten an der Laguna negra (schwarze Lagune) zu verbringen.
Eine wirklich spannende, vielseitige Tour ging somit zu Ende und unsere letzte Station war LaPaz. Dort angekommen hatten wir einen Tag zur freien Verfügung, an dem es uns auf den Hexenmarkt zog, um die Alpacaläden unsicher zu machen (typisch Touri) und dann noch zur Seilbahn hoch nach El Alto. Es war irgendwie ein ungewohntes Gefühl mit einer Seilbahn nicht über eine Skipiste zu fahren, sondern über die Dächer von Häusern einer Stadt. Von oben hatte man einen atemberaubenden Ausblick über die riesige Stadt.
Am nächsten Tag hatten wir eine geführte City-Tour durch LaPaz, die auch die Valle de la Luna beinhaltete, dazu später ein Bild.
Abends trafen wir uns dann mit Matthias, Pirmin und Kay, um das Nachtleben von LaPaz auf die Probe zu stellen, erfolgreich :D
Man kann wirklich nur sagen, dass die Tour ein voller Erfolg war und einem innerhalb weniger Tage die Vielfältigkeit und Schöheit Boliviens vor Augen geführt wurde.
Ich hoffe die Bilder ermöglichen euch einen kleinen Einblick in das, was wir in dieser Zeit erleben durften und lassen euch meine Begeisterung ein Stück weit nachvollziehen.

Viel Spaß beim Anschauen der Bilder!



Ja, das im Hintergrund ist der Eingang :D

Inca Huasi


Laguna

Laguna verde

Unterkunft "Salzhotel"


Árbol de piedras

Geysires

Canyon mit Lamas
Laguna colorada
Salar de Uyuni

Valle de la Luna

Seilbahn in LaPaz